Der Gartenfriedhof, Hannover

Zugegeben, auch ich bin während meiner Ausbildung täglich an diesem Ort vorbeigelaufen ohne ihn zu beachten. Erst als ich in einem Buch über Naturdenkmäler darüber gestolpert bin, wurde ich wirklich auf diesen Ort aufmerksam. Was schade ist, denn er ist durchaus einen Besuch wert.

1741 entstand dieser Friedhof zwischen Gemüse- und Hopfengärten, nur durch eine Hainbuchenhecke abgegrenzt. Eigentlich sollte er damals „der neue Kirchhof vor dem Aegidientore“ getauft werden, doch die Anwohner fanden den Namen Gartenfriedhof schöner und so blieb dieser Name bis heute.
1826 wurde der Friedhof geschlossen.

Der Friedhof beherbergt eine ganze Reihe an bekannten Persönlichkeiten.
Die wissenschaftlich engagierte Caroline Herschel und Charlotte Kestner die Jugendliebe Johann Wolfgang von Goethes sind die wohl bekanntesten Namen. Eine Tafel am Eingang des Friedhofs nennt aber noch viele weitere.

Auf dem Friedhof stehen viele alte und eindrucksvolle Bäume.
Am meisten hat mich eine Rotbuche beeindruckt. Umgeben von verschiedenen Grabanlagen beherrscht sie mit ihrer Größe und vor allem durch ihre Energie den Ort. Wenn man unter ihr Blätterdach tritt ist es, als würde man in eine andere Welt versetzt. Dort scheint die Zeit still zu stehen und auch der Lärm der anliegenden Marienstraße scheint zu verstummen. Eine tiefe, erdige Energie durchströmt den Baum und seine nahe Umgebung. Ich vermute dies ist auch auf eine hier vorbeilaufende Leylinie zurück zu führen.

 

Natürlich gibt es auch noch andere eindrucksvolle Bäume auf dem Gelände.
Zum Beispiel eine Kastanie, die sich nicht darum kümmert, dass auf der Grabplatte steht sie solle auf ewig geschlossen bleiben. Mit den Jahren hat der Baum die Platte einfach angehoben. Auch dieser Baum hat eine besondere und freundliche Ausstrahlung, im allgemeinen eine leichtere Energie als die der nahen Rotbuche.
Auch sehenswert ist der Ahornbaum der mit seinem Holz die schmiedeeisernen Stäbe eines Grabzaunes zu verschlingen scheint. Es ist wahrscheinlich dass ein spielendes Kind den Baum in jungen Jahren durch den Zaun gewunden hat. Freiwillig wächst wohl kein Baum so grotesk. Das genaue alter des Baumes ist unbekannt, in der Literatur wird er aber auf etwa 90 Jahre geschätzt und zählt damit zu den älteren seiner Art.

 

 

Besonders berührt hat mich ein Grabmal, welches von einer traurigen und schwermütigen Energie umgeben ist. Es wurde einer Frau Anne Marie Behrens gewidmet.
Der verbliebene Ehemann muss wirklich sehr unter dem Verlust seiner Frau gelitten haben. Nichtnur aufgrund der umgebenden Energie, auch weil das Grab aufwendig und sehr detailiert ist und daher wohl nicht ganz kostengünstig gewesen sein wird.

 

Der Gartenfriedhof ist ein Ort an dem man durchaus kraftvolle Plätze finden kann.
Allerdings ist es nicht grade ein stiller Ort mit der Marienstraße und dem Aegidientorplatz anbei. Leider werden viele der Bänke auch von Alkoholikern belagert und der Weg durch den Friedhof als Abkürzung und Hundeklo genutzt.
Die Initiative Renaissance Gartenfriedhof e.V.i.L hat versucht an diesen Zuständen etwas zu ändern und die Grabmäler zu restaurieren. Leider nur mit sehr mäßigem Erfolg, weshalb dieses Jahr die Auflösung der Renaissance Gartenfriedhof  bekannt gegeben wurde. Wie es nun genau weitergehen wird ist unklar. Fest steht, dass dieser Denkmalgeschützte Ort wirklich mehr Respekt verdient hätte.

Fazit: Wer die etwas unschönen Seiten des Friedhofslebens ausblenden und mit der erdigen und teils schweren Energie eines alten und ehrwürdigen Friedhofes umgehen kann, der findet hier sicher unter einen der alten Bäume seinen Platz.

 

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